Mutter werden im Hebammenstudium
Ich bin Hebammenstudentin im 7. Semester und habe vor sieben Monaten mein Baby bekommen. Seitdem frage ich mich immer wieder, wie es sein kann, dass wir im Studium tagtäglich lernen, wie wichtig es ist, Frauen während der Schwangerschaft, Geburt und im Wochenbett zu stärken, auf ihren Körper zu hören und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen – und genau das im eigenen Studium kaum möglich ist. Plötzlich bin ich selbst in der Situation, meine eigenen Bedürfnisse und die meiner Familie zurückzustellen, um mein Studium wie geplant abschließen zu können. Für mich passt das irgendwie nicht zusammen.
Ein Baby während des Hebammenstudiums zu bekommen, darüber wird meiner Wahrnehmung nach bisher kaum gesprochen. Mein Sohn ist mittlerweile sieben Monate alt. Während ich Mutter geworden bin, läuft für mich gleichzeitig die Uhr im Studium weiter.
Denn im Hebammenstudium gibt es Vorgaben, die ich trotz Baby rechtzeitig erfüllen muss. Bestimmte praktische Tätigkeiten und eine vorgegebene Anzahl an Geburten müssen nachgewiesen werden, damit ich zu den nächsten Examensprüfungen zugelassen werde. Schaffe ich diese Vorgaben nicht rechtzeitig, geht es nicht einfach nur um ein paar fehlende Einsätze. Im schlimmsten Fall bedeutet das für mich, dass sich mein Studium um ein ganzes Jahr verlängert.
Genau deshalb bleibt mir nach der Geburt meines Sohnes kaum Zeit. Obwohl er gerade einmal sieben Monate alt ist, muss ich die fehlenden praktischen Anforderungen so schnell wie möglich nachholen. Für mich wird das jetzt ganz konkret: In vier Wochen muss ich wieder im Kreißsaal arbeiten. Nach Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bedeutet das, wieder in den Schichtdienst einzusteigen, während ich gleichzeitig für mein sieben Monate altes Baby da bin.
Es geht also nicht nur darum, Studium und Baby irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Es geht um vorgeschriebene praktische Leistungen, feste Fristen und im schlimmsten Fall um ein zusätzliches Jahr Studium.
Ich möchte deshalb auf ein Thema aufmerksam machen, über das meiner Wahrnehmung nach bisher kaum gesprochen wird: Was bedeutet es eigentlich, im Hebammenstudium Mutter zu werden? Und welche Konsequenzen kann das für Studentinnen und ihre Familien haben?
Anmerkung von MORE MIDWIVES:
Es geht nicht um Vergünstigungen für Mütter als Hebammenstudentinnen, sondern darum, dass Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bei der Ausgestaltung des Studiums angemessen berücksichtigt werden. Und wenn das nicht der Fall ist, steht das im Widerspruch zu dem, was tagtäglich gelehrt wird.
Besonders wichtig ist dabei der Vergleich mit der Arbeitswelt: Dort gibt es für Schwangere und Mütter gesetzliche Regelungen, während im Hebammenstudium trotz der starken Praxis- und Arbeitsähnlichkeit offenbar dieselben Abgaben wie für alle gelten. Nachdem die Studentin bereits ein freiwilliges Jahr auf sich genommen hat und wegen einer ohnehin schon solchen starren Frist in zwei Jahren zusätzlich absolvieren muss, ist das einfach nicht nachvollziehbar.
Pauschal zu sagen: „Die Uni kann nicht“ macht es sich sehr einfach.
Kommentare à la „Du bist selbst schuld, dass du in dieser Zeit Mutter geworden bist“ oder „so ist es halt – finde dich damit ab“ gehen ebenfalls am eigentlichen Problem vorbei: Sie machen aus einer strukturellen Frage eine persönliche Schuldfrage.
Und ehrlich gesagt: Auch schockierend so etwas zu lesen.